Landbote - Gründungsversammlung Dampfzentrum

 

der landbote Donnerstag, 26. November 2009

Drei mögliche Standorte für Dampfzentrum

In einer Erlebnisfabrik soll Geschichte auf Gegenwart treffen. Nun muss die Stiftung Vaporama Thun entscheiden: Grenchen oder Winterthur.
In zwei Dingen sind sich Boris Banga, der SP-Stadtpräsident von Grenchen, und Andreas Maurer, der neu gewählte Präsident des Vereins Dampfzentrum Winterthur (VDW), einig: Die Dampfmaschinensammlung der Stiftung Vaporama Thun soll nicht auseinandergerissen werden, und sie soll an den bestmöglichen Standort zügeln. «Nationales Kulturgut muss für die ganze Schweiz zugänglich sein», sagt Banga. Er empfiehlt einen Standort «westlich der Reuss». Im Januar werde der Gemeinderat über einen Antrag abstimmen, für die Maschinen einen Standort in Grenchen zu suchen und die Finanzierung aufzugleisen.
Ähnlich weit ist Winterthur, wo Maurer gestern das Konzept einer Erlebnisfabrik präsentierte. Nebeneinander sollen darin die teilweise funktionsfähigen Dampfmaschinen mit Baujahr 1859 bis 1960 gezeigt und sechs Firmen tätig sein, die heute Dampftechnik produzieren. Im Projekt involviert ist etwa die Dampflokomotiv- und Maschinenfabrik von Roger Waller, die alte Lokomotiven revidiert und neue baut. Beteiligt ist auch der Industriearchäologe Hans-Peter Bärtschi mit seiner Firma Arias Industriekultur.
Hunderte Tonnen Stahl hinter die «Nagli»: Industriehistoriker Hans-Peter Bärtschi (links) und VdW-Präsident Andreas Maurer. bild:steDrei mögliche Standorte mit Gleisanschluss – die Besucherinnen und Besucher reisen im Dampfzug an – hat der VWD bisher ausgemacht:

  • Lieblingsstandort wäre die denkmalgeschützte ehemalige SLM-Montagehalle auf dem Areal Stadtmitte. Das Problem: Die Halle ist noch bis 2014 an die Stadler Rail AG vermietet.
  • Die    Rieter-Halle    an    der    Euelwiesstrasse in Wülflingen erfüllt fast alle Bedingungen. Das Problem: Die Eigentümerin möchte nicht verkaufen.
  • Auf dem Gelände der nach wie vor tätigen Nagelfabrik an der St.-Galler-Strasse wäre die Realisierung am einfachsten. Ein Teil der Fertigungsanlagen wird bereits heute interessiertem Publikum gezeigt und könnte in die Erlebnisfabrik integriert werden. Das Problem: Um alle Dampfmaschinen unterbringen zu können, müsste die Stadt ein angrenzendes Stück Land für einen Neubau zur Verfügung stellen.

 

«Wir brauchen Entscheid»

«Die höchste Hürde ist nach wie vor die Finanzierung», sagt Bärtschi. Die Vorgespräche mit Bund, Kanton, Stadt und Lotteriegesellschaft seien positiv verlaufen. Ohne namhafte Beträge von Privaten, Firmen und Stiftungen lassen sich die notwendigen rund 5 Millionen Franken für den Aufbau und jährlich    300 000 Franken    für    den    Betrieb jedoch kaum zusammenbringen. «Nun brauchen wir einen Entscheid aus Thun», sagt Maurer. Erst wenn klar sei, dass die Stiftung Vaporama Winterthur als Nachfolgestandort für ihre Maschinen wünsche, könnten fixe Abmachungen mit Partnern der Erlebnisfabrik sowie Geldgebern getroffen werden.
DAVID HERTER © der Landbote, Winterthur

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